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Warum das Thema jetzt drängt
Wochenlange Trockenheit setzt nicht nur der Vegetation zu – sie verändert auch die Grundlagen der Löschwasserversorgung. Mit 1.175 registrierten Waldbränden im Jahr 2025, mehr als doppelt so vielen wie 2024, ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass ein Einsatz genau in einer Phase stattfindet, in der Wasserressourcen und örtliche Versorgungsnetze besonders stark beansprucht werden.
Wo sonst Hydranten und offene Gewässer zuverlässig Wasser liefern, wird die Versorgung in Dürrephasen zur planerischen Herausforderung: sinkende Grundwasserstände, ausgetrocknete Bäche und Teiche sowie ein Trinkwassernetz, das unter erhöhter Entnahmelast selbst an Kapazitätsgrenzen stößt.
Der Grundschutz nach DVGW W 405
Das DVGW-Arbeitsblatt W 405 dient als Grundlage zur Ermittlung des Löschwasserbedarfs aus dem öffentlichen Trinkwassernetz. Die tatsächlich verfügbare Menge hängt jedoch von der örtlichen Netzstruktur, dem Wasserdargebot und der jeweiligen Versorgungssituation ab. Deshalb sollte die Feuerwehr die nutzbaren Entnahmemengen mit dem örtlichen Wasserversorger abstimmen.
Der unabhängige Löschwasserbedarf – speziell für Objekte mit erhöhtem Risiko oder in Außenbereichen ohne Hydrantennetz – wird ergänzend über Löschwasserteiche, Zisternen, Brunnen oder offene Gewässer sichergestellt. Genau diese Ergänzung rückt in Trockenperioden in den Fokus, weil sie zunehmend die tragende Rolle übernimmt.
Wenn Hydranten an ihre Grenzen stoßen
Bei hoher gleichzeitiger Wasserabnahme oder begrenzter Netzleistung kann die für die Feuerwehr nutzbare Fördermenge sinken. Das betrifft besonders Netze mit geringer Reserve oder langen Leitungswegen. Welche Hydranten unter Einsatzbedingungen ausreichend leistungsfähig sind, sollte mit dem örtlichen Wasserversorger abgestimmt und nach Möglichkeit praktisch überprüft werden.
Für die Einsatzplanung bedeutet das: Wer sich bei größeren Schadenslagen – etwa Vegetationsbränden oder lang andauernden Löscheinsätzen – ausschließlich auf das Hydrantennetz verlässt, kalkuliert ein Risiko ein, das in Dürresommern real geworden ist. Alternative Entnahmestellen sind deshalb kein Sonderfall mehr, sondern Teil der Standardplanung.
Alternative Entnahmestellen im Überblick
Sechs Optionen kommen in der Praxis regelmäßig zum Einsatz, meist in Kombination:
Löschwasserteich
Fest angelegtes Reservoir, meist mit Saugstelle nach DIN 14210 – planbar, aber abhängig vom Wasserstand in der Dürre.
Löschwasserzisterne
Unterirdischer Behälter, witterungsunabhängig, aber mit begrenztem Fassungsvermögen – gut für Erstangriff.
Offenes Gewässer
Fluss, Bach oder See – in der Dürre oft die unsicherste Quelle, da Pegel und Zugänglichkeit stark schwanken.
Löschwasserbrunnen
Grundwasserbrunnen mit Pumpe – zuverlässig, aber ebenfalls von sinkenden Grundwasserständen betroffen.
Mobile Löschwasserbehälter
Faltbehälter, die vor Ort mit Tanklöschfahrzeugen im Pendelverkehr befüllt werden – flexibel einsetzbar.
Wasserförderung über lange Wegstrecke
Kein eigener Vorrat, sondern eine Methode: Wasser wird über weite Strecken von einer entfernten, ergiebigen Quelle herangeführt.
Teich oder Zisterne: gut planbar, sofern Wasserstand, Zufahrt und Saugstelle geprüft sind.
Offenes Gewässer: potenziell ergiebig, aber stark von Pegel und Zugänglichkeit abhängig – Zufahrt und Uferbeschaffenheit vorab prüfen, da Böschungen bei Niedrigwasser instabil werden können.
Löschwasserbrunnen: die Ergiebigkeit hängt direkt von der Grundwasserführung ab. Pumpenleistung und Anschlussarmatur sollten vorab mit der zuständigen Stelle abgestimmt werden, da auch Brunnen bei sinkendem Grundwasserspiegel an Kapazität verlieren können.
Pendelverkehr und Faltbehälter: flexibel, wenn keine dauerhaft ergiebige Quelle direkt an der Einsatzstelle verfügbar ist.
Beispiel für einen mobilen Löschwasserbehälter
Dönges Multi Flexbehälter 700 l
Mobiler Zwischenspeicher für Pendelverkehr und flexible Löschwasserbereitstellung.
Flexbehälter ansehenLöschwasserteiche und Zisternen richtig nutzen
Aufbau einer Saugleitung an einer alternativen Entnahmestelle im Trockensommer. Löschwasserteiche sind auf dem Papier verlässliche Reserven – in der Praxis hängt ihre Nutzbarkeit aber stark vom Zustand der Saugstelle ab. Zugewachsene Zufahrten, abgesenkte Wasserstände unterhalb der Saugkorbtiefe oder verschlammte Ansaugbereiche sind in Dürresommern keine Seltenheit. Eine regelmäßige Objektkunde vor Ort – nicht nur auf dem Einsatzplan – zahlt sich hier aus.
Zisternen sind witterungsunabhängiger, da sie unterirdisch liegen, bieten aber meist nur begrenztes Volumen für den Erstangriff. Sie ersetzen keine kontinuierliche Versorgung bei länger andauernden Einsätzen, sondern überbrücken die Zeit, bis eine zweite Entnahmestelle oder die Wasserförderung über lange Wegstrecke aufgebaut ist.
Vor Ort prüfenWasserstand, Zufahrt, Aufstellfläche, Saughöhe, Verschlammung und mögliche Treibgutbelastung kontrollieren.
Wasserförderung über lange Wegstrecke
Wenn die nächste ergiebige Wasserquelle mehrere hundert Meter oder Kilometer entfernt liegt, kommt die Wasserförderung über lange Wegstrecke (WLW) zum Einsatz: der Aufbau einer Förderstrecke mit Schlauchleitungen und gegebenenfalls mehreren Pumpenabschnitten, um Wasser von der Entnahmestelle zur Einsatzstelle zu transportieren. Das Verfahren ist personal- und materialintensiv, aber oft die einzige Möglichkeit, ausreichend Wasser für einen länger andauernden Vegetationsbrand oder ein größeres Schadensereignis heranzuführen.
Entscheidend ist die vorausschauende Planung: Wie viele Pumpenabschnitte sind nötig, wie viel Schlauchmaterial steht zur Verfügung, und ist die Förderleistung ausreichend, um den tatsächlichen Löschwasserbedarf am Einsatzort zu decken? Übungen unter Realbedingungen zeigen hier häufig größere Abweichungen zur theoretischen Planung als erwartet.
Leitung und Pumpenabschnitte
Zum Durchblättern nach links oder rechts wischen bzw. scrollen.Querungen müssen sichtbar, sicher und passend zur zu erwartenden Belastung ausgeführt werden. Die drei Bauarten unterscheiden sich in Gewicht, Flexibilität und Einsatzumgebung.
Schlauchbrücken im Vergleich
Saugleitung aufbauen – Schritt für Schritt
Der korrekte Aufbau der Saugleitung entscheidet maßgeblich über die Förderleistung und die Standzeit der Pumpe:
- 1 Entnahmestelle sichtenWassertiefe, Zugänglichkeit und Grund prüfen – Schlamm und Treibgut verstopfen den Saugkorb.
- 2 Saugschläuche auswählenAnzahl und Länge an die Förderhöhe anpassen, Kupplungen auf Dichtigkeit prüfen.
- 3 Saugkorb montierenImmer mit Ventil, das den Rückfluss beim Ansaugen verhindert.
- 4 Leinensicherung anbringenVerhindert, dass die Leitung bei Strömung abtreibt oder sich löst.
- 5 Kupplungen an der Pumpe anschließenAuf korrekten Sitz und Dichtringe achten, Schlauch möglichst knickfrei verlegen.
- 6 Entlüften und Förderdruck kontrollierenErst nach stabilem Druckaufbau die Abgabeleitung öffnen.
Saugleitung zuverlässig vorbereiten
Schutz des Trinkwassernetzes bei der Entnahme
Wer Löschwasser direkt aus dem Trinkwassernetz entnimmt – etwa über einen Hydranten mit Standrohr –, greift in ein System ein, das strengen hygienischen Anforderungen unterliegt. Unsachgemäße Entnahme kann dazu führen, dass Verunreinigungen zurück in das Trinkwassernetz gelangen, sobald der Druck in der Leitung wieder abfällt.
Genau deshalb schreibt die Trinkwasserverordnung in Verbindung mit DIN EN 1717 vor, dass Entnahmestellen aus dem Trinkwassernetz gegen Rückfließen gesichert sein müssen. Für die Feuerwehr bedeutet das: Standrohr und Schlauchmaterial allein reichen nicht – ein normgerechter Rückflussschutz gehört zur Grundausstattung jeder Einheit, die regelmäßig aus Hydranten Wasser entnimmt.
Warum Rückfluss kritisch istBeim Druckabfall können Wasser und Verunreinigungen aus angeschlossenen Leitungen zurück in das Versorgungsnetz gelangen. Die konkrete Sicherung ist mit dem örtlichen Wasserversorger abzustimmen.
Was die aktuelle Forschung zeigt
Ein im August 2025 fertiggestellter und im Oktober 2025 veröffentlichter Forschungsbericht des Instituts für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge hat die Kontaminationsrisiken bei der Löschwasserentnahme aus dem Trinkwassernetz erneut in den Fokus gerückt. Die Untersuchung liefert praxisrelevante Erkenntnisse dazu, unter welchen Bedingungen Rückflüsse auftreten können und wie sich das Risiko durch korrekte Entnahmetechnik und geeignete Sicherungseinrichtungen wirksam reduzieren lässt.
Rückflussverhinderer und Systemtrenner
Ein Systemtrenner nach DIN 14346 trennt das Löschwassernetz zuverlässig vom Trinkwassernetz und verhindert, dass kontaminiertes Wasser zurückfließt. Er wird zwischen Standrohr und Schlauchleitung eingebaut und ist inzwischen in vielen Landkreisen fester Bestandteil der Ausrüstung für die Hydrantenentnahme.
Bei der direkten Entnahme aus dem Trinkwassernetz sind die vorgesehenen normgerechten Sicherungseinrichtungen zu verwenden. Dazu gehören insbesondere der mobile Systemtrenner B-FW nach DIN 14346 oder eine geeignete technische Trennung über einen freien Auslauf. Die konkrete Umsetzung sollte mit dem örtlichen Wasserversorger abgestimmt werden.
Entnahmestellen im Vergleich
Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Optionen danach ein, wie belastbar sie in einer anhaltenden Dürrephase tatsächlich sind:
| Entnahmestelle | Verfügbarkeit bei Dürre | Technischer Aufwand | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Hydrant (Trinkwassernetz) | Eingeschränkt – abhängig von Netzdruck und Förderbegrenzung | Gering (Standrohr, Kupplung) | Rückflussschutz zwingend erforderlich |
| Löschwasserteich / Zisterne | Mittel bis gut – abhängig vom Wasserstand | Mittel (Saugleitung, Saugkorb) | Regelmäßige Objektkunde nötig |
| Offenes Gewässer | Gering – stark pegelabhängig | Mittel bis hoch (Zugänglichkeit oft eingeschränkt) | Tagesaktuelle Lageeinschätzung notwendig |
| Wasserförderung über lange Wegstrecke | Gut – unabhängig von lokaler Quelle | Hoch (Personal, Schlauchmaterial, Pumpen) | Vorausschauende Planung entscheidend |
Ausrüstung, die jetzt zu prüfen ist
Unabhängig davon, ob der nächste Alarm ein Vegetationsbrand oder ein klassischer Löscheinsatz ist – diese Punkte gehören jetzt auf den Prüfstand:
Vor der nächsten Trockenperiode kontrollieren
Saugschläuche, Saugkörbe, Hydrantenstandrohre, Rückflussverhinderer und der Schlauchmaterial-Bestand für die Wasserförderung über lange Wegstrecke gehören jetzt auf den Prüfstand. Die vollständige, interaktive Checkliste zum Abhaken findest du am Ende dieses Beitrags.
Häufige Fehler bei der Löschwasserentnahme
Löschwasserversorgung in der Dürre – Schnellcheck
Die Markierungen werden nur lokal im Browser gesetzt und nicht gespeichert.
Bleiben Punkte offen: zuerst die Ausrüstung ergänzen, dann die Entnahmestellen erneut vor Ort in Augenschein nehmen – idealerweise vor der nächsten Trockenperiode, nicht während des nächsten Einsatzes.
Fazit
Anhaltende Trockenheit verändert die Grundlagen der Löschwasserversorgung spürbar: Hydranten liefern nicht mehr uneingeschränkt, alternative Entnahmestellen rücken in den Mittelpunkt der Einsatzplanung, und der Schutz des Trinkwassernetzes wird zur festen Aufgabe statt zur Ausnahme.
Wer die eigene Ausrüstung für Saugleitung, Wasserförderung über lange Wegstrecke und Trinkwasserschutz jetzt prüft und die Entnahmestellen im Einsatzgebiet aktuell kennt, ist für die kommenden Trockenwochen besser vorbereitet – unabhängig davon, ob der nächste Alarm ein Vegetationsbrand oder ein klassischer Löscheinsatz ist.
Löschwasserversorgung in der Dürre ist keine Frage des Zufalls, sondern der Vorbereitung.
Verwendete Normen und Studien
- DVGW e.V.: Löschwasser – Übersichtsseite; Arbeitsblatt DVGW W 405 „Bereitstellung von Löschwasser durch die öffentliche Trinkwasserversorgung“ (Volltext käuflich über die DVGW-Regelwerkssuche).
- DIN EN 1717 „Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen“, Normtext über DIN Media.
- DIN 14346 „Systemtrenner für die Feuerwehr“ – Normanforderung an mobile Systemtrenner wie den B-FW, Volltext über DIN Media erhältlich.
- Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge (IBK): IMK-Bericht 221: Evaluierung möglicher Trinkwasserkontaminationen durch die Feuerwehren bei der Entnahme von Löschwasser aus dem Trinkwassernetz, veröffentlicht 2025.
Ausrüstung für Wasserentnahme, Saugleitung und Trinkwasserschutz im Überblick
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